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Andere Suchtmittel

Überblick

Der Abschnitt "andere Suchtmittel" umfasst diejenigen Substanzen, auf die wegen der geringen Prävalenz des Gebrauchs oder eines geringen Ausmasses an verfügbaren Informationen nicht in einem eigenen Kapitel eingegangen wurde. Die Substanzen wurden dennoch wiederholt in den grundlegenden Datenquellen berücksichtigt (CoRolAR-Befragung, Monitoringsystem act-info, Polizeiliche Kriminalstatistik, Medizinische Statistik der Krankenhäuser) und werden daher hier dargestellt. Es handelt sich dabei um folgende Substanzen:

Die Menge der verfügbaren epidemiologischen Informationen zu Suchtmitteln hängt eindeutig vom Ausmass ihres Gebrauchs und dem Schweregrad der Folgen ab. Die wenigen zur Verfügung stehenden Daten zu den vier hier erwähnten Substanzarten weisen bereits darauf hin, dass ihr Gebrauch in der Bevölkerung wenig verbreitet ist. Ausserdem, da es sich im Allgemeinen um relativ neue Phänomene handelt, ist der Gebrauch dieser Substanzen erst seit 2011 im Rahmen der CoRolAR-Befragung dokumentiert und wurde seit 2009 in die Statistik zu den Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz integriert. Es ist daher kaum möglich, die Entwicklung des Gebrauchs über mehrere Jahre zu verfolgen.

GHB/GBL

Im Rahmen der CoRolAR-Befragung wurde nur eine sehr geringe Anzahl an Personen registriert, die über einen Gebrauch von GHB/GBL in den letzten 12 Monaten berichteten (Prävalenz 2015: 0.02%). Die Lebenszeitprävalenz von 0.6% (Daten sind nur für das zweite Semester 2014 verfügbar) weist trotzdem darauf hin, dass diese Substanz manchmal ausprobiert wird (hauptsächlich berichten 25- bis 35-jährige Männer über Erfahrungen). Die Ergebnisse des Monitoringsystems act-info zu den Behandlungen von Abhängigkeiten zeigen, dass die Anzahl der Personen, die wegen eines Problems mit dem Gebrauch von GHB eine Behandlung begonnen haben, gering ist und sich kein besonderer Trend abzeichnet (2006-2014: jährlich zwischen keiner und sieben Personen mit Hauptproblem GHB). Die Statistik zur Anzahl der Anrufe beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (STIZ) lässt jedoch auf einen Anstieg des Gebrauchs von GHB zwischen Anfang und Ende der 2000er Jahre schliessen. Ferner zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik Beschlagnahmungen in relativ grossem Umfang (2015: 3.4 kg und 43.8 Liter). Es existieren dagegen keine spezifischen Daten zu Hospitalisierungen infolge einer Vergiftung oder Abhängigkeit durch GHB.

Aufmerksamkeitssteigernde Medikamente

Die CoRolAR-Befragung 2014 zeigt, dass der Gebrauch von aufmerksamkeitssteigernden Medikamenten hauptsächlich männliche, junge Erwachsene (unter 25 Jahren) betrifft. Allerdings steigt der Anteil der Gebrauchenden ab 65 Jahren tendenziell wieder an, was offensichtlich einem gesteigerten medizinischen Bedarf entspricht. Der Anteil des nichtmedizinischen Gebrauchs von aufmerksamkeitssteigernden Medikamenten ist schwierig zu bestimmen. Er scheint aber dennoch nicht unerheblich zu sein, denn die Daten der CoRolAR-Befragung 2014 zeigen, dass 10 zu 13% aller Personen mit Einnahme für diese Medikamente kein ärztliches Rezept hatten. Generell stimmen verschiedene Quellen darin überein, dass der Gebrauch in den vergangenen 10 Jahren ständig zugenommen hat (Anzahl der verkauften Medikamente, Anzahl der vom Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (STIZ) gemeldeten Missbrauchsfälle von Methylphenidat und Anzahl der Minderjährigen in Behandlung; vgl. Pletscher & Wieser, 2012). Man kann davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit eines nichtmedizinischen Gebrauchs dieser Medikamente mit der allgemeinen Zunahme des Gebrauchs in der Bevölkerung steigt, aber durch die wenigen zu diesem Thema durchgeführten Untersuchungen kann dies bisher noch nicht belegt werden.

Khat

Da die CoRolAR-Befragung keine spezifischen Fragen zum Khatgebrauch beinhaltet, ist es nicht möglich, das Ausmass des Gebrauchs dieser Substanz zu beziffern. Aus den verfügbaren Indikatoren geht hervor, dass durch die Polizei und den Zoll beträchtliche Mengen von Khat beschlagnahmt wurden (2015: rund 9'700 kg). Die Statistiken des Monitoringsystems act-info von 2006 bis 2014 zeigen, dass Behandlungseintritte wegen eines Problems mit dem Gebrauch von Khat ziemlich selten waren (unter zehn Personen pro Jahr mit einem Hauptproblem "Khat"). Da Khat jedoch nicht als eigenständige Kategorie erhoben wurde, kann die genaue Anzahl nicht eruiert werden.

Flüchtige Stoffe

Der Gebrauch flüchtiger Stoffe scheint in der Schweiz marginal zu sein. So wurden im Rahmen der CoRolAR-Befragung nur wenige Fälle erfasst (Anteil unter 0.1%). Pro Jahr können dennoch durchschnittlich ein Todesfall und mehrere Hospitalisierungen infolge einer Intoxikations- oder Abhängigkeitsdiagnose im Zusammenhang mit flüchtigen Stoffen festgestellt werden. Ausserdem wurden bei den Beratungsstellen, die am Monitoringsystem act-info mitmachen, jährlich nur wenige Eintritte von Personen mit einem Hauptproblem mit flüchtigen Stoffen verzeichnet (unter fünf Personen pro Jahr). Etwas zahlreicher wurde diese Substanzart aber als sekundäres Problem angegeben.

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