Startseite
 
Multipler Substanzgebrauch
» Prävalenz

Kombinationen im Rahmen von erhöhtem Substanzkonsum

QuellenContinuous Rolling Survey on Addictive Behaviours and Related Risks (CoRolAR) (2011-2016) und Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) (1997, 2002, 2007, 2012) für die Schweizerische Gesamtbevölkerung.

Im Rahmen der CoRolAR Befragung wurden verschiedene Substanzkombinationen
analysiert, um Informationen zur Häufung eines erhöhten Gebrauchs zu sammeln. Für die folgenden fünf Substanzgruppen wurden spezifische Schwellenwerte erhöhten Gebrauchs definiert:

  • Alkohol: a) Konsum von mindestens 20 g reinen Alkohols pro Tag bei Frauen / 40 g bei Männern und/oder b) Konsum von 4 Standardgläsern oder mehr bei einer Gelegenheit bei Frauen / 5 Standardgläsern oder mehr bei Männern mindestens einmal im Monat;
  • Tabak: täglicher Konsum;
  • Medikamente: täglicher oder beinahe täglicher Gebrauch von mindestens einem psychotropen Medikament vom Typ Schlafmittel, Beruhigungsmittel, starkes Schmerzmittel oder Psychostimulanzien während der letzten 30 Tage;
  • Cannabis: mindestens einmaliger Gebrauch pro Woche in den letzten 30 Tagen;
  • Andere illegale Drogen: Gebrauch von mindestens einer anderen illegalen Droge als Cannabis (z.B. Heroin, Kokain, Ecstasy, GHB, LSD, usw.) in den letzten 12 Monaten.

Jeder dieser fünf Schwellenwerte wird nacheinander als Referenz genommen, um die kumulierte Häufigkeit mit den anderen vier Kategorien darzustellen. Die unten aufgeführten Häufigkeiten beziehen sich daher nicht auf die Gesamtbevölkerung, sondern jedes Mal auf eine der fünf Untergruppen mit erhöhtem Gebrauch. Für mehr Informationen zu den durchgeführten Vergleichen, inklusive diejenigen, bei welchen das Niveau des Gebrauchs in einer der beiden Gruppen unterhalb der definierten Schwelle liegt, siehe den Bericht von Gmel et al. (2015).

Über alle Substanzen hinweg lassen sich verschiedene Tendenzen beobachten. So ist die Substanzkombination mit der höchsten Prävalenz der gleichzeitige Konsum von Alkohol und Tabak. Ausserdem ist bei den 15- bis 29-Jährigen der multiple Substanzgebrauch anteilmässig häufiger als bei älteren Personen. Ausgenommen davon sind Kombinationen, welche Medikamente umfassen. Diese werden mehrheitlich von Personen ab 65 Jahren genommen.

Insbesondere bezüglich der illegalen Substanzen ist eine Unterschätzung der Prävalenzen sehr wahrscheinlich, da ein sozial sanktioniertes Verhalten im Rahmen einer telefonischen Befragung wie CoRolAR leicht verschwiegen werden kann. Des Weiteren erreicht dieser Befragungstyp marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie aktuell Drogenkonsumierende nur sehr schwer.

Kombinationen im Rahmen von erhöhtem Alkoholkonsum

Beim multiplen Substanzgebrauch von Personen mit einem erhöhten Alkoholkonsum zeigen sich drei verschiedene Trends (vgl. Abbildung CoRolAR - Erhöhter Gebrauch anderer Substanzen bei Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum, nach Alter (2016)). Erstens ist der gleichzeitige Gebrauch von Tabak und Alkohol weit verbreitet. Über alle Altersgruppen betrachtet, rauchen etwa ein Viertel (je nach Altersgruppe zwischen 14.3% und 29.7%) der Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum täglich Tabak.

Zweitens betrifft eine erhöhte Medikamenteneinnahme bei erhöhtem Alkoholkonsum hauptsächlich Personen über 65 Jahren (10.2%), gegenüber 1.3% bei den unter 30-Jährigen. In Anbetracht der verstärkenden Wirkung von Alkohol auf einige psychotrope Medikamente, ist die Höhe der Prävalenz des erhöhten Gebrauchs dieser beiden Substanzen besonders besorgniserregend (vgl. insbesondere Kapitel Verkehrsunfälle).

Drittens ist der erhöhte Gebrauch von Cannabis und anderen Drogen bei Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum eher selten (im Durchschnitt über alle Altersgruppen weniger als 4%) und kommt hauptsächlich bei den jungen Erwachsenen vor.

CoRolAR - Erhöhter Gebrauch anderer Substanzen bei Personen mit erhöhtem Alkoholkonsum, nach Alter (2016)

Anmerkungen:Erhöhter Alkoholkonsum: 20 g oder mehr Reinalkohol pro Tag bei Frauen bzw. 40 g oder mehr Reinalkohol pro Tag bei Männern oder mindestens 1-mal pro Monat Rauschtrinken (4 Standardgetränke oder mehr bei Frauen bzw. 5 oder mehr bei Männern).
Erhöhter Tabakkonsum: tägliches Rauchen.
Erhöhte Medikamenteneinnahme: tägliche oder fast tägliche Einnahme zumindest eines psychoaktiven Medikamentes (Schlaf-, Beruhigungs-, starke Schmerzmittel oder Psychostimulanzien); Basis: letzte 30 Tage.
Erhöhter Cannabisgebrauch: Gebrauch zumindest 1-mal pro Woche; Basis: letzte 30 Tage.
Erhöhter Gebrauch anderer Drogen: Gebrauch anderer illegaler Drogen als Cannabis zumindest 1-mal in den letzten 12 Monaten.
Lesebeispiel: 28.8% der Personen zwischen 15 und 29 Jahren mit einem erhöhten Konsum von Alkohol gaben ebenfalls einen erhöhten Konsum von Tabak an.
Quelle:Gmel, Kuendig et al. (2017)

Gemäss detaillierten Analysen der SGB-Daten hat sich der gleichzeitige Gebrauch von Alkohol und Schlaf- oder Beruhigungsmitteln zwischen 1997 und 2012 kaum verändert (Abbildung) und lag 2012 bei 3.3% (Maffli et al., 2014). Ausserdem  konnte gezeigt werden, dass es zwischen dem Konsum dieser beiden Substanzen keinen Zusammenhang gibt. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der Alkoholkonsum nicht eingeschränkt wird, wenn gleichzeitig Schlaf- oder Beruhigungsmitteln eingenommen werden. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass gesundheitliche Risiken und negative Folgen eines Mischkonsums in der Bevölkerung weiterhin nicht oder zu wenig bekannt sind. Einschränkend gilt, dass es möglich ist, dass sich der Konsum der beiden Substanzgruppen während eines Tages nicht überlagert hat. Soziale Erwünschtheit bei der Beantwortung der Fragen und begrenzte Erreichbarkeit von Personen mit problematischem Substanzkonsum führen jedoch dazu, dass Prävalenzen insgesamt eher unterschätzt werden.

Kombinationen im Rahmen von täglichem Tabakkonsum

Generell können für den täglichen Konsum von Tabak annähernd gleiche Trends wie für den erhöhten Alkoholkonsum beobachtet werden (Abbildung). Diese Ähnlichkeit in den Tendenzen erklärt sich insbesondere dadurch, dass es sich in beiden Fällen um legale Substanzen handelt, die in der Bevölkerung häufig konsumiert werden.

Kombinationen im Rahmen einer erhöhten Einnahme von Medikamenten

Personen mit einer erhöhten Einnahme psychotroper Medikamente haben nur sehr selten auch einen erhöhten Cannabisgebrauch (Abbildung). Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Medikamenten kann besonders problematisch sein (siehe Abschnitt Alkohol weiter oben und Kapitel Verkehrsunfälle) und es ist bedenklich, dass etwa 20% der Personen, die täglich psychotrope Medikamente einnehmen, auch einen erhöhten Alkoholkonsum haben. Darüber hinaus ist es, im Wissen darum, dass bei einer Polytoxikomanie insbesondere Benzodiazepine zusammen mit Opioiden eingenommen werden (Labhart et al., 2010), nicht verwunderlich, unter den Personen mit einer erhöhten Medikamenteneinnahme einen relativ hohen Anteil mit Gebrauch anderer Drogen zu haben (6.5% bei den 15- bis 29-Jährigen).

Kombinationen im Rahmen einer erhöhten Einnahme von Cannabis

In den jeweiligen Altersgruppen hat die Mehrheit der Personen mit einem erhöhten Cannabisgebrauch auch einen erhöhten Alkoholkonsum (Abbildung). Über die sehr verbreitete Nutzung von Cannabis mit Tabak hinausgehend, scheint die gleichzeitige Nutzung von Cannabis mit anderen Substanzen eher der Suche nach mehr Nervenkitzel zu dienen, indem durch die Kombination mit Alkohol oder anderen illegalen Drogen Wahrnehmungsveränderungen bewirkt werden.

Kombinationen im Rahmen einer erhöhten Einnahme anderer illegaler Drogen

Erhöhter Alkoholkonsum und erhöhter Tabakkonsum sind unter Personen, die andere illegale Substanzen als Cannabis einnehmen, ziemlich verbreitet (Abbildung; für Alkoholkonsum siehe auch Schnoz et al. 2009). Ebenso überrascht es nicht, unter den Personen, die illegale Drogen einnehmen, einen relativ beachtlichen Anteil mit erhöhter Medikamenteneinnahme zu finden, da der Gebrauch von Benzodiazepinen beispielsweise im Rahmen einer multiplen Substanzstörung, welche Opioide einschliesst, weit verbreitet zu sein scheint (Labhart et al., 2010).

Da verschiedene illegale Substanzen gleichzeitig eingenommen werden können (z.B. Opioide und Kokain), kann der erhöhte Gebrauch multipler Substanzen vielfältiger sein als die hier aufgeführten Zweierkombinationen es vermuten lassen.

Häufung eines erhöhten Substanzgebrauchs

Die Prävalenz des Gebrauchs multipler Substanzen kann auch als die Menge der Substanzen, die von jemandem in erhöhtem Masse konsumiert werden, dargestellt werden (Abbildung). Bei beiden Geschlechtern ist die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen beim erhöhten Konsum von mindestens zwei Substanzen am stärksten betroffen. Annähernd 20% der Männer dieser Altersgruppe haben einen erhöhten Gebrauch von mindestens zwei Substanzen. Mit fast 13% ist der Anteil bei den Frauen dieser Altersgruppe etwas niedriger. Die Menge der gleichzeitig in erhöhtem Masse konsumierten Substanzen geht mit dem Alter zurück.

top

 

www.substitution.ch